Anne Strauss
Anne Strauss arbeitet zurzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Siegen sowie als Lehrerin für Kunst und Philosophie an einem Dortmunder Gymnasium.
In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit dem Verhältnis von Macht- und Diskursstrukturen und den epistemischen Potenzialen künstlerischer Praxis. Ihre Kunstpraxis ist zeichnerisch-konzeptuell und dient vorwiegend der Annäherung an abstrakte Zusammenhänge.
Beitrag
Bildungsinstitutionen – wie die Kunsthochschule – sind meist in spezifisch entworfenen Räumen situiert. Damit verbunden sind nicht nur die verschiedenen Architekturstile, die Atmosphären vergangener oder aktueller Gesellschaften vermitteln, sondern auch die vielfältigen kleinen und großen Spuren der Nutzung. Bildungsinstitutionelle Räume erzeugen bei den Nutzenden darüber hinaus oft unterschiedliche Gefühle: z.B. die Freude, endlich angenommen zu sein oder einen Ort für künstlerischen Ausdruck zur Verfügung zu haben; oder auch der Zweifel, ob die Anwesenheit hier legitim ist und ob die erwarteten Leistungen zu erfüllen sein werden. Im institutionellen Raum entwickeln sich soziale Gefüge, entstehen Logiken der Bewegung, erhalten oder verlieren Dinge bestimmte Bedeutungen. Das nimmt Einfluss auf das Lehren und Lernen – in schulischen wie auch in universitären Räumen. Ateliers, Kunsträume und Werkstätten scheinen dabei wiederum anderen ungeschriebenen Gesetzen unterworfen zu sein als Vorlesungssäle, Klassen- oder Seminarräume. Um die implizite Wirkmacht spezifischer materiell und personell determinierter Raumstrukturen sichtbar zu machen, erscheinen künstlerische Eingriffe als besonders fruchtbar, da sie hinweisen, irritieren, neu befragen und andere Deutungen eröffnen können. Bildungsinstitutionen bieten also reichhaltige Ansatzpunkte für die Erprobung von künstlerischen Methoden zum Einüben einer sensibilisierten Raumwahrnehmung.
In dem Workshop nehmen die Teilnehmenden ihre sensibilisierte Wahrnehmung zum Ausgangspunkt, um eine eigene kleine Intervention zu gestalten, die auf den Ort antwortet.