Gila Kolb
Gila Kolb ist seit Mai 2026 Professorin für Kunstpädagogik und Kunstdidaktik an der Universität Bremen. Zuvor leitete sie die Forschungsprofessur Fachdidaktik der Künste an der Pädagogischen Hochschule Schwyz. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Zeichnen können im Kunstunterricht,
Strategien und agency von Kunstvermittler*innen, Verlernen, Nachhal-tigkeit in der ästhetischen Bildung, Bedingungen postdigitaler Kunstpädagogik.
Beitrag
Räume sind nicht einfach vorhanden – sie werden hergestellt (vgl. Ballath 2024: 137). Das beginnt in den öffentlichen Verkehrsmitteln, auf der Straße und ganz sicher in Lernräumen.
Im Alltag begegnen wir Raum oft als selbstverständlich, nehmen ihn als unveränderlich, gegeben hin. In den künstlerisch-gestalterischen Fächern sehen wir grosses Potential, um Raum mit künstlerischen und gestalterischen Methoden in den Blick zu nehmen.
Ziel des Workshops ist es, klassische Raumverständnisse produktiv zu verlernen. Verlernen meint hier nicht, etwas mühevoll Erlerntes wieder zu vergessen (vgl. Sternfeld 2014), sondern im Sinne eines künstlerisch-reflexiven Neuansatzes, sich den Raum als formbares, widerständiges und wirkmächtiges Material zu erschliessen.
Der Workshop gründet auf Erfahrungen aus mehreren laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekten:
1) Commoning ländliche Baukultur. Die Baukulturexpert:innen von morgen (Lea Weniger, Gila Kolb u. a., 2022–2025),
2) Baukulturelle Bildung als ästhetische Diskurspraxis (Dissertation Eva Chen, laufend) sowie
3) Building together. Redefining Baukultur through children's perspectives (SNF-gefördertes Projekt, 2025–2029, Gila Kolb, Lea Weniger, Eva Chen, Carolin Schurr u. a.).
Allen Projekten gemeinsam ist die Grundannahme, dass dass (hergestellte) Räume für Menschen prägend und zugleich veränderbar sind. Mittels künstlerisch-partizipa-tiver Methoden werden räumliche Bedeutungen aus verschiedenen Perspektiven erforscht, verhandelt und sichtbar gemacht – sowohl auf der Ebene der Schule, der ausserschulischen Bildung und der Lehre in der Hochschule.
Im Workshop vermitteln wir nach einem kurzen Input künstlerisch informierte Formate und Übungen, mit denen Räume materialbezogen, körperlich und performativ erkundet werden können. Dabei erproben die Teilnehmenden Strategien, mit denen sie Räume nicht nur wahrnehmen, sondern künstlerisch-gestalterisch intervenierend befragen und neu entwerfen können. Zum Beispiel zu folgenden Fragen:
Wie lässt sich Raum mit dem Körper lesen?
Welche Machtverhältnisse schreiben sich in Räume ein?
Wie können hegemoniale Raumordnungen sichtbar und verhandelbar gemacht werden?
Die vorgestellten Formate wurden sowohl für die Hochschullehre als auch für den Schulunterricht konzipiert und erprobt. Sie verbinden ästhetisch-forschendes Handeln mit didaktischer Reflexion und richten sich an Lehrende und Lernende aller Altersstufen.
Literatur:
Ballath, Silke (2024). Kontextspezifische (Aushandlungs-) Räume pluraler Beziehungsweisen: Ethnographie künstlerisch-edukativer Prozesse in einem Modellprogramm. München: kopaed.
Löw, Martina (2012). Raumsoziologie. 7. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Sternfeld, Nora (2014): Verlernen vermitteln. Hamburg: Lüdke.act