SPOT ON: #Raumpraxis

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Ursula Rogg

Ursula Rogg initiiert Prozesse, in denen Menschen die Möglichkeit der Veränderung erfahren. Mittels künstlerischer Praktiken und dokumentarischer Verfahren entsteht Material, das Rogg sammelt und formt, bis es in der Schulentwicklung, der Transformation im Studium oder im Community-building sein aktivierendes Potenzial entwickelt.
Prof. Dr. Ursula Rogg leitet an der Akademie der Bildenden Künste die Klasse für Kunstpädagogik im Quereinstieg. Sie schreibt, macht Audiostücke und manchmal Performances.
»Ursula Rogg ist Spezialistin dafür „…den Menschen die Wunder zeigen, die sie selbst vollbringen können.« (Eva Sturm)


Beitrag

09.10
09:45
30min
Rettung ins Reale. Zeugnisse räumlich-relationalen Handelns in verstörender Zeit
Ursula Rogg

Was haben mit Latrinen mit Camps im Mittelgebirge und Eremitagen in einem veralgten Weiher bei Ontario gemeinsam? Ganz klar: Um in ihnen zu überleben, muss man sich mit ihnen selbst auf spezifische Weise auseinandersetzen. Im Versuch, in krisenhaften Zeiten Sinn, Orientierung und ein Weiterleben zu organisieren, zeigt sich Raum als Bedingung sine qua non – erst im Raum wird Handeln real. Das nicht (mehr) Passende, Nichtgelingende zeigt sich in Zeiten der Umbrüche, Vertreibungen, Glaubenskrisen und Neurodiversitäten als Impuls: Alternativen zu finden zugunsten von Beziehungen. Die Relation zur eigenen Handlungskraft und Wirksamkeit, zur Welt der anderen, zur eigenen geistigen Ausrichtung sowie zur Natur als Kraft und Nahrung. Alternative Praktiken dafür sind in der physischen Auseinandersetzung mit Räumen zu finden.
Die Darstellung dreier Überlebenskonzepte umfasst die Jahre 800 bis heute, ihre Relevanz beziehen sie aus ihrer Kühnheit und Wirksamkeit. Dem Raum/Wechsel werden dabei elementare Gegebenheiten zugesprochen, in seinen universellen und spezifischen Eigenschaften fordert und erlaubt er jeweils ein Handeln, das Alternativen zu Bestehendem gebiert und Ansätze von Rettung zeigt. Sinnhaftes Handelns ist in den vorgestellten Experimenten räumliches Handeln und damit Beziehungshandeln, Freiheiten entstehen, wo den Gesetzen des Raumes Folge geleistet wird.Vorgestellt werden die Langstreckenwanderungen des Psychiaters Fernand Deligny mit autistischen Kindern, Ziele institutioneller Fluchten bei den Mystikern, dargestellt durch den Religionsphilosophen Michel De Certeau sowie der Garten als wissenschaftstheoretisches Spannungsfeld der Botanikerin Robin Wall Kimmerer. Verbunden werden diese Ansätze durch Stimmen im Raum, sowohl die der Anwesenden, als auch jene von Voice X, dem Improvisations- und Vokalensemble, mit dem die Vortragende zusammenarbeitet.

FLAG Pavillon