08.10.2026 –, FabLab, Neubau 1
Sprache: Deutsch
In diesem hands-on Workshop werden wir mit kleinen ferngesteuerten Rovern arbeiten und deren didaktisches Potential im Übergangsraum zwischen Design, Kunst und Technik erkunden. Diese Rover habe ich als Teilprojekt für meine Dissertation mit dem Titel "Das Baukastenparadigma - Baukästen als Vermittler zwischen Design und Technik" entwickelt. Wie der Titel bereits andeutet, interessierte mich in meinem praxisgeleiteten PhD-Projekt, wie interdisziplinäre Produktentwicklung gelingender gestaltet werden kann und Disziplingrenzen durchlässiger werden, ganz im Sinne des Bildungsforschers und Mathematikers Papert: „My challenge is not to the sovereignty of the intellectual territories but to the restrictions imposed on easy movement among them.“ (Papert 2020, S. 44). Eine Forderung, die meines Erachtens nicht nur für einen MINT-Kontext gelten sollte.
Im Zentrum meiner Dissertation standen Baukästen als objektbasierte Vermittler. Diese können als Sammlungen von (re-)kombinierbaren Modulen und Bausteinen leicht vielerlei Gestalt annehmen und deshalb immer wieder für neue Aufgaben herangezogen werden. Baukästen ermöglichen es mit Fehlern umzugehen und iterativ zu arbeiten. Funktionierende Aufbauten können außerdem als strukturierte Baupläne und Bausätze weitergegeben werden. Für meine PhD-Forschung diente mir die Roverthematik als ein konkreter Anwendungsfall, um eine Lern- und Entwicklungsumgebung mithilfe von Baukästen zu gestalten. Der Arbeit von Papert und Resnick (vgl. Resnick 2020) folgend, habe ich für das bewusste Zusammenstellen von Handlungsmöglichkeiten durch unterstützendes Material und Werkzeuge den Begriff 'ermöglichende Infrastruktur' vorgeschlagen.
Die Rover basieren daher maßgeblich auf dem Lego-Baukastensystem und auf dem Arduino-Ökosystem. Sie sind damit Konglomerate aus verschiedenen technischen Domänen, deren Zusammenspiel so ausgelegt wurde, dass die Rover in unterschiedlichen spielerischen Kontexten eingesetzt werden können. Wie ihre Vorbilder aus der Raumfahrt, die fremde Welten erkunden und neue Perspektiven ermöglichen, sind die Rover als Erweiterungen menschlicher Präsenz zu sehen.
In diesem Sinne lädt der Workshop zunächst zum Spielen und Erkunden ein. Die Rover sollen aber auch als 'ermöglichenden Infrastruktur' kennengelernt werden. Denn der baukastenbasierte Aufbau ist dazu gedacht, mit neuen Teilen erweitert und für neue Aufgaben ausgestattet zu werden. Ebenso ist erlaubt, in die bestehenden Strukturen der Rover einzugreifen und je nach Aufgabe gewünschte oder benötigte Veränderungen, beispielsweise in der Programmierung, herbeizuführen. Erweiterbarkeit und Veränderbarkeit sind die zentralen Eigenschaften, um im kreativen Tun Technik erfahrbar und im besten Fall beherrschbar zu machen.
Literatur:
Papert, Seymour A. (2020). Mindstorms; Children, Computers and Powerful Ideas. New York: Basic Books.
Resnick, Mitchel (2020). Lifelong Kindergarten; Warum eine kreative Lernkultur im digitalen Zeitalter so wichtig ist. Berlin: Bananenblau.
Dr. Sebastian Lotz ist Künstlerisch-technischer Lehrer für das ABK FAB LAB sowie die Werkstatt für Prototypenbau (Metall) in der Fachgruppe Architektur.