08.10.2026 –, Glaskasten, Neubau 1
Sprache: Deutsch
Der Workshop untersucht Schrift als künstlerisches und kunstpädagogisches Mittel der Raumpraxis. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Schrift Räume aktiv hervorbringt, indem sie orientiert, adressiert, markiert, reguliert, öffnet, ausschließt, sichtbar macht oder Widerstand erzeugt. Damit ist Schrift kein neutrales Kommunikationsmittel, sie wird zu einer materiell, körperlich, sozial und politisch wirksamen und gestaltbaren Praxis im Raum.
Im Rahmen des Workshops erkunden wir zunächst den Tagungsort als beschrifteten Raum. Wir sammeln und kartieren vorhandene Texte, Zeichen, Hinweise, institutionelle Beschriftungen, Leitsysteme, Verbote, Schwellen und unscheinbare Schriftspuren. Anschließend betrachten wir künstlerische Positionen zum Thema und entwickeln in Kleingruppen temporäre, reversible Schriftinterventionen, die räumliche Ordnungen irritieren, alternative Lesarten eröffnen oder Fragen von Zugänglichkeit, Sichtbarkeit und Teilhabe verhandeln.
Im Zentrum steht Schrift als Material, Handlung und soziale Setzung: Wo steht Schrift? Wer spricht durch sie? Wer wird adressiert? Welche Körperbewegungen erzeugt sie? Welche Räume öffnet oder verschließt sie? Wie kann sie hegemoniale Raumordnungen sichtbar machen oder verschieben? Welche kunstpädagogischen Anschlüsse ergeben sich daraus?
Johanna Tewes (Dr. phil.) ist Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften an der ABK Stuttgart. Nach ihrer Promotion zu machtkritischen Fragen in der Fachgeschichte war sie u.a. als Gastprofessorin für Kunstdidaktik an der Kunstakademie Münster tätig. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: kollaborative Forschungs- und Schreibpraxen im Kontext von Transformationsprozessen, Artistic Research in der kunstpädagogischen Wissensproduktion sowie Phänomene postdigitaler (Bild-)Kulturen.