SPOT ON: #Raumpraxis

SPOT ON: #Raumpraxis

Nadia Bader

Nadia Bader (Dr. phil.) ist Professorin für Didaktik Kunst und Design an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte: Untersuchung von Lehr-Lern- Prozessen in kunstpädagogischen Kontexten vor praxistheoretischem Hintergrund; Erforschung und Entwicklung von Kanonalternativen im Kunstunterricht; Erkenntnis- und Vermittlungspotentiale des Visuellen in Forschung und Bildung; Fachliche sowie fachdidaktische Perspektivierung von “Core Practices” (angehender) Lehrpersonen.


Beitrag

08.10
15:50
90min
Eigenes künstlerisches Know-How kunstdidaktisch fruchtbar machen – am Beispiel plastischen Gestaltens
Nadia Bader

In diesem Workshop gehe ich den Fragen nach: Wie können Lehrende ihre Lernenden (Studierende, Schüler:innen) durch niederschwellige Aufgaben und Experimente dazu anregen oder anleiten, von der Fläche zu einem räumlichen, plastischen Gestalten zu gelangen – z.B. mit einem alltäglich verfügbaren Medium wie Papier (Druckerpapier, Zettelblöcken)? Wie können (angehende) Lehrende ihr eigenes künstlerisches, praktisches Know-How für solche kunstdidaktischen Überlegungen fruchtbar machen – z.B. um mediale Möglichkeiten und grundlegende Prinzipien räumlichen, plastischen Gestaltens für Lernende erfahrungsbasiert zugänglich zu machen?
Diese Leitfragen verweisen auf den Zusammenhang zwischen dem Know-How der Lehrenden und ihrer Fähigkeit zur Vermittlung dieses Know-Hows, wobei “Können” und “Können vermitteln” auch unterschiedliche Praktiken sind. D.h. im Hin und Her zwischen künstlerischer und kunstdidaktischer Expertise sind Übersetzungen notwendig. Gerade wenn prozedurales, verkörpertes und damit nicht-sprachliches, implizites Wissen (vgl. Polany 2016, Neuweg 2002) leitend ist, bergen solche Übersetzungen einige Unwägbarkeiten, die im vorgeschlagenen Beitrag genauer betrachtet, gemeinsam erprobt und diskutiert werden sollen.
Anhand von konkreten Aufgaben, die ich zunächst selber und dann im Unterricht mit Primarschüler:innen sowie in der Hochschullehre mit Studierenden bearbeitet habe, gehe ich dem Zusammenspiel zwischen eigenen künstlerischen Erprobungen und der Übersetzung in die eigene Lehrpraxis nach. Dabei nehme ich einerseits eine praxistheoretisch fundierte Perspektive ein (vgl. Bader 2019; Rechwitz 2003; Schmidt 2012).
Andererseits konturiere ich die Übersetzungsleistung zwischen künstlerischem, gestalterischem “Können” und “Können vermitteln” als fachspezifische Kernpraktik (auch “Core (Teaching) Practice” oder “High Leverage Practice”, vgl. Bader 2025; Fraefel 2022).

Literatur
Bader, N. (2025). Mehr als schöne Bilder malen, Antrittsvorlesung, PHZH, https://www.youtube.com/watch?v=QzVdf9dF7kg
Bader, N. (2019). Zeichnen – Reden – Zeigen. Wechselwirkungen zwischen Lehr-Lern-Dialogen und Gestaltungsprozessen im Kunstunterricht. Kopaed.
Fraefel, U. (2022). Mittels Kernpraktiken zu professionellem Unterrichten. Journal für LehrerInnenbildung jlb. Jg. 22, Heft 3, 16–29. https://doi.org/doi.org/10.35468/jlb-03-2022-01
Neuweg, G. H. (2002). Lehrerhandeln und Lehrerbildung im Lichte des Konzepts des impliziten Wissens. Zeitschrift für Pädagogik 48, 10–29.
Polanyi, M. (2016). Implizites Wissen. Übersetzt von Horst Brühmann. 2. Auflage. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 543. Suhrkamp.
Reckwitz, A. (2003). Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken. Eine sozialtheoretische Perspektive. Zeitschrift für Soziologie, Nr. Jg. 32, Heft 4, 282–301.
Schmidt, R. (2012). Soziologie der Praktiken. Konzeptionelle Studien und empirische Analysen. Erste Auflage. Suhrkamp.

KWR Pavillon