SPOT ON: #Raumpraxis

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Sarah Maria Serve

SARAH MARIA SERVE absolvierte ihr Architekturstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dort schloss sie 2025 mit der Masterarbeit „Körper Wissen Wäre Macht“ ab, für die sie mit dem Akademiepreis ausgezeichnet wurde. Zuvor studierte sie Psychologie an der Universität von Amsterdam sowie Architektur im Bachelor an der Universität Stuttgart. Ein bedeutender Teil ihrer künstlerischen Praxis ist der performative Dialog zwischen Körper und Raum, bei dem sie ihren eigenen Körper als Werkzeug und Ausdrucksmittel politischer (Re-)Aktion einsetzt. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen multimedialen Ansatz aus, wobei die Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen eine tragende Rolle spielt.


Beitrag

09.10
14:00
120min
Raum für Spekulation / Recht auf Hoffnung
Sarah Maria Serve, Rafael Rychlik

Was bedeutet es, einen Raum für etwas zu schaffen, das noch nicht sichtbar ist – und dessen Eintreten ungewiss bleibt?
Der Workshop untersucht Raum als kollektiven, spekulativen und prozessualen Gegenstand. Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden auf dem Campus der ABK Stuttgart drei mykorrhizierte Trüffelsetzlinge gepflanzt und aus einem kuratierten Materialpool reversible Schutzstrukturen um sie entwickelt. So entsteht innerhalb von 120 min eine ortsspezifische Versuchsanordnung, die sich weit über die Dauer des Workshops hinausstreckt.
Trüffel entstehen unterirdisch in komplexen Beziehungen zwischen Pilz, Wirtsbaum, Boden und klimatischen Bedingungen. Bis zur ersten Ernte vergehen mehrere Jahre und ob tatsächlich Trüffel wachsen, bleibt ungewiss. Dennoch wird die Möglichkeit ihrer Entstehung zum Anlass, sich den gegenwärtigen Raum anzueignen. Durch das gemeinsame Handeln wird ein Teil des Campus neu definiert und seine zukünftige Entwicklung diskursiv betrachtet.
Kollektivität bildet das Fundament in dieser Arbeit. Als erster Schritt wird der Boden vorbereitet, bepflanzt und bewässert. Im zweiten Schritt entwickeln die Teilnehmenden aus vorab ausgewählten Materialien räumliche Strukturen, die die Pflanzungen schützen, markieren und in den bestehenden Campus einschreiben. Der Materialpool und mögliche Fügungsprinzipien bilden einen gesetzten Rahmen, innerhalb dessen unterschiedliche Lösungen gefunden werden können.
Der entstehende Ort wird zum Verhandlungsraum zwischen gesetzten Bedingungen, kollektiven Entscheidungen und nicht kontrollierbaren Entwicklungen. Sorge wird dabei nicht als Garantie eines bestimmten Ergebnisses verstanden, sondern als Bereitschaft, Aufmerksamkeit und Verantwortung an einen offenen Prozess zu binden. Der Boden erscheint nicht nur als verfügbare Fläche oder Träger eines zukünftigen Produkts, sondern als Teil eines Beziehungsgefüges, von dessen Bedingungen die Entwicklung abhängt. Das Pflanzen und Schützen verräumlicht den Akt der Sorge und macht ihn sichtbar.
Noch bevor ein Trüffel tatsächlich entstanden ist, ist seine Möglichkeit mit Vorstellungen von monetärem Wert verbunden. Der Workshop greift damit eine spekulative Logik auf, in der zukünftiger Wert bereits gegenwärtige Räume und Handlungen organisiert. Zugleich bleibt offen, ob und wie dieser Wert jemals realisiert wird.
Der mögliche Ertrag ist nicht Ziel der gemeinsamen Handlung, sondern Anlass, Wertvorstellungen zu befragen: Was definieren wir als schützenswert?
Warum geben wir einer ungewissen Zukunft Raum? Und entsteht Wert erst im möglichen Produkt – oder bereits in der gemeinsamen Handlung, im Sorgetragen und in der Beziehung zu einem Ort?
Der Workshop führt performative, materielle und ökologische Perspektiven in einer gemeinsamen Raumpraxis zusammen. Körperliche Handlung, materielle Setzungen und kollektive Entscheidungen greifen ineinander und machen Raum als etwas erfahrbar, das nicht gegeben ist, sondern durch Aneignung, Einschreibung und Verhandlung entsteht.

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