09.10.2026 –, Aka-Garten
Sprache: Deutsch
Was bedeutet es, einen Raum für etwas zu schaffen, das noch nicht sichtbar ist – und dessen Eintreten ungewiss bleibt?
Der Workshop untersucht Raum als kollektiven, spekulativen und prozessualen Gegenstand. Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden auf dem Campus der ABK Stuttgart drei mykorrhizierte Trüffelsetzlinge gepflanzt und aus einem kuratierten Materialpool reversible Schutzstrukturen um sie entwickelt. So entsteht innerhalb von 120 min eine ortsspezifische Versuchsanordnung, die sich weit über die Dauer des Workshops hinausstreckt.
Wir spekulieren. Wir transformieren. Wir sorgen. Wir lernen. Wir bilden ein Kollektiv.
Rafael Rychlik, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ABK Stuttgart, und Sarah Maria Serve, Performancekünstlerin, haben gemeinsam ihren Master Architektur an der ABK abgeschlossen. Für diesen Workshop treffen sie sich erneut an der Schnittstelle von Architektur, Performance und kollektiver Praxis. Aus der Frage, wie sich diese Schnittstelle definieren lässt, entsteht eine ortsspezifische Installation, die das Pflanzen von drei mykorrhizierten Trüffelsetzlingen auf dem Campus der Akademie initiiert.
Trüffel entstehen unterirdisch in komplexen Beziehungen zwischen Pilz, Wirtsbaum, Boden und klimatischen Bedingungen. Bis zur ersten Ernte vergehen mehrere Jahre und ob tatsächlich Trüffel wachsen, bleibt ungewiss. Dennoch wird die Möglichkeit ihrer Entstehung zum Anlass, sich den gegenwärtigen Raum anzueignen. Kollektivität bildet das Fundament in dieser Arbeit: Als erster Schritt wird der Boden vorbereitet, bepflanzt und bewässert. Im zweiten Schritt entwickeln die Teilnehmenden aus vorab ausgewählten Materialien räumliche Strukturen, die die Pflanzungen schützen, markieren und in den bestehenden Campus einschreiben.
Der entstehende Ort wird zum Verhandlungsraum zwischen gesetzten Bedingungen, kollektiven Entscheidungen und nicht kontrollierbaren Entwicklungen. Sorge wird dabei nicht als Garantie eines bestimmten Ergebnisses verstanden, sondern als Bereitschaft, Aufmerksamkeit und Verantwortung an einen offenen Prozess zu binden.
Noch bevor ein Trüffel tatsächlich entstanden ist, ist seine Möglichkeit mit Vorstellungen von monetärem Wert verbunden. Der Workshop greift damit eine spekulative Logik auf, in der zukünftiger Wert bereits gegenwärtige Räume und Handlungen organisiert. Zugleich bleibt offen, ob und wie dieser Wert jemals realisiert wird.
Der mögliche Ertrag ist nicht Ziel der gemeinsamen Handlung, sondern Anlass, Wertvorstellungen zu befragen:
Was definieren wir als schützenswert? Warum geben wir einer ungewissen Zukunft Raum? Und entsteht Wert erst im möglichen Produkt – oder bereits in der gemeinsamen Handlung, im Sorgetragen und in der Beziehung zu einem Ort?
Der Workshop führt performative, materielle und ökologische Perspektiven in einer gemeinsamen Praxis zusammen. Körperliche Handlung, Material und kollektive Entscheidungen greifen ineinander. Raum wird dabei nicht als etwas Gegebenes verstanden, sondern als etwas, das durch Aneignung, Einschreibung und Verhandlung entsteht.
Klamotten: funktional, dürfen dreckig werden
Fotocredits: Rafael Rychlik
SARAH MARIA SERVE absolvierte ihr Architekturstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dort schloss sie 2025 mit der Masterarbeit „Körper Wissen Wäre Macht“ ab, für die sie mit dem Akademiepreis ausgezeichnet wurde. Zuvor studierte sie Psychologie an der Universität von Amsterdam sowie Architektur im Bachelor an der Universität Stuttgart. Ein bedeutender Teil ihrer künstlerischen Praxis ist der performative Dialog zwischen Körper und Raum, bei dem sie ihren eigenen Körper als Werkzeug und Ausdrucksmittel politischer (Re-)Aktion einsetzt. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen multimedialen Ansatz aus, wobei die Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen eine tragende Rolle spielt.
Rafale Rychlik ist Akademischer Mitarbeiter in der Klasse für Wohnbau, Grundlagen und Entwerfen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.